|
|
||
|
[zur website der Pfarrei St. Bonifaz / St. Georg Regensburg] |
||
| Aus einer
Präsentationsschrift der
Pfarrei St. Bonifaz/ St. Georg, zur Kircheneinweihung (durch Bischof Dr. Rudolf Graber) am 6. Juni
1970 herausgegeben
(Der Text wurde an manchen Stellen leicht aktualisiert, um Irritationen zu vermeiden) |
Zu
den kleinen Bildern gibt es Bildseiten mit zusätzlichen Fotos. (Bei Ausdruck wird Querformat empfohlen) |
Der
Inhalt dieser rechten Spalte stammt aus einer Kirchenführung am 2. Juli 2004 durch den Kunsthistoriker Dr.
Friedrich Fuchs in der Reihe „Moderne Kirchen in Regensburg“.
(Der Text wurde nach einer persönlichen Mitschrift bei dieser Kirchenführung entwickelt.) |
| Kirchenzentrum St. Bonifaz
Das
katholische Pfarrzentrum St. Bonifatius liegt an der Ecke Killermannstraße - Roter-Brach-Weg inmitten eines rasch
wachsenden Wohngebietes .
Seine rotbraunen Ziegelmauern heben sich bewusst von den umliegenden
Gebäuden ab. |
Die
Kirche St. Bonifaz
Die Kirche St. Bonifaz ist einer der wenigen modernen Kirchenbauten in Regensburg. Eine sehr aktive Pfarrgemeinde hatte Ende der 60er Jahre angesichts der enormen Bautätigkeit in Regensburg-Prüfening das Projekt selbstbewusst vorangetrieben und aus den drei preisgekrönten Entwürfen den mit dem 2. Preis ausgezeichneten gewählt: Das Architekturbüro Oberberger erhielt also den Bauauftrag. |
|
|
Der Glockenturm an der Killermannstraße, in einem quadratischen Prisma 21 Meter hoch geführt, bildet das Portal zum Kirchplatz. Vom Roten-Brach-Weg führt ein überdachter Weg an der Westseite der Kirche entlang des Parkplatzes und des Pfarrgartens zu einem zweiten Kircheneingang und zum Pfarrhof und zum Kirchplatz. Im Südosten des Grundstückes, an der Kreuzung der beiden Straßen, steht die Kirche. Der Grundgedanke, der ihr zugrunde liegt, ist die Form der Basilika, abgewandelt im Sinne des heutigen Verständnisses der Liturgie. Die
Umfassungsmauern bilden ein Quadrat mit Vor- und Rücksprüngen, dessen Erdgeschoss mit einer Stahlbeton- Kassettendecke |
Zwei
Sehweisen bei
der Betrachtung der Kirche:
- - Wo ist sein Platz im Kirchenbau des 20.Jh.? Das Äußere: Der Bau fällt auf: ein großer Gebäudekomplex in Rot. Ziegelsteinbauten gruppieren sich in lockerer Streuung zwischen viel Grün, fast wie in einem Wäldchen, großflächig, großzügig. Näher betrachtet entdeckt man den hohen zylinderförmigen Zentralkörper der Kirche mit einer Ringbebauung aus überdachtem Wandelgang, Pfarrhof, Pfarrheim und Kindergarten, dazwischen den „Bonifaz-Platz“ mit einer archaischen Skulptur des Heiligen von Andreas Sobeck. Am
schönsten öffnet sich dieser Kirchplatz, wenn man ihn unter dem allein
stehenden, gedrungenen Glockenturm hindurch betritt. |
|
|
An der Nordseite liegen der Haupteingang, ein Raum für Mütter mit Kleinstkindern, durch eine Glaswand vom Hauptraum getrennt, und die Marienkapelle; an der Nordwestecke die Sakristei, an der Westseite die Werktagskapelle und der Nebeneingang, an der Südwestecke die Taufkapelle und an der Südostecke die Orgel mit Platz für den Kirchenchor in der Achse zum Altar. Durch
raumhohe, schmale Glasbetonfenster und runde Öffnungen in der
Kassettendecke empfangen die Räume ihr Licht. |
Das Innere
(Gesamteindruck): Den
Besucher empfängt ein zentraler, hoher und weiter, schwebend freier Raum
der atmen lässt, zu Ruhe, Besinnung und Innenschau anregt. (Einen Exkurs zu Ursprung und Beheimatung der Form des Zentralbaues finden Sie [unten]) Die 16 Felder des Zeltdachs aus Holzpaneelen nehmen diese Struktur auf und werden durch eine fragil wirkende Stahlträgerkonstruktion betont. |
|
|
Der Hauptraum mit einem Durchmesser von 30 Metern erhebt
sich als Sechzehneck über dem Grundriss des Erdgeschosses . Die hohen, schmalen Fenster im Rund der Kirche setzen in hellen Farbgläsern den ornamentalen Rhythmus der Ziegelmauer fort. Das ruhige, klare Licht wird zur Mitte, zum Lamm Gottes hin, betont wärmer und feierlicher. Bewusst wurde auf bildhafte Inhalte verzichtet, die Wirkung der Lichtführung wird mit architektonisch strengen Mitteln erreicht. So stört nichts den Maßstab; alles fügt sich in die klare Architektur, im Geistigen und Handwerklichen fundiert. Der 18 Meter hohe Hauptraum wird abgeschlossen durch eine Dachkonstruktion aus Stahlrohren mit einer darüber liegenden Holzdecke. Der Ziegelboden fällt von den Säulen an zu den Altarstufen ab. Aus der leichten Senkung erhebt sich ein gemauertes Podest aus zwei Stufen, auf dem der Altar aus hellem Savoniere-Kalkstein steht. Der Ambo und die Sedilien sind aus Bronze. Der Altar ist ringsum zu zwei Dritteln von den Kirchenbänken umstanden. Das letzte Drittel des Sechzehnecks schließt die
Altarinsel mit einer 15 Meter hohen Ziegelwand. Der in die Altarrückwand
eingemauerte Lebensbaum mit dem Tabernakel wird durch ein Oberlicht
erhellt. Über dem Lebensbaum steht das Lamm Gottes Der Hauptraum fasst 580 Sitzplätze, zu denen in der Werktagskapelle 50, in der Marienkapelle 15, im Raum für Kleinstkinder 40 und bei den Beichtstühlen 60 Plätze kommen. Im Aufbau der Kirche wurde nicht so sehr versucht, durch bestimmte Einzelattribute eine sakrale Atmosphäre zu schaffen, als vielmehr einen Raum zu gestalten, in dem sich die Gemeinde mit ihrem Priester zusammen als feiernde Gemeinschaft erfahren kann. So entstand ein Kirchenraum von gelassener Klarheit, feierlich-ruhigem Ernst und bewusster Nüchternheit, in dem alles auf den Altartisch hin bezogen ist. Zwar ist die gemeinsame Messfeier der Gemeinde Mittelpunkt unseres religiösen Lebens, aber der Mensch braucht auch einen Raum, wo er allein vor Gott tritt, wo er ruhig wird. Es ist gute katholische Tradition, wenn wir diesen Ort als Marienkapelle ausgestalten. Die recht verstandene Marienverehrung kann uns nie den Blick auf Christus verstellen; Maria führt uns hin zu ihrem Sohn. Unsere Marienkapelle birgt ein besonderes Kleinod europäischer Kunst. Die katalanisch-romanische Madonna mit dem Kind (13. Jh.) wirkt auf den Betrachter durch ihre hoheitsvolle Haltung. Die klare Form und der ruhige Farbdreiklang Blau-Rot-Gold unterstützen den Eindruck feierlicher Erhabenheit. Im Laufe der Jahrhunderte war die Plastik mit mindestens fünf Gips-, Kreide-, Leinwand- und Farbschichten überklebt und überstrichen worden, so dass die Detailformen wie Falten, Kragen, Thronprofilierung nicht mehr zu sehen waren. Erst nach der Entfernung dieser Schichten konnte das Kunstwerk wieder in den Zustand seiner ursprünglichen Schönheit zurückgeführt werden. Besonders hinzuweisen ist auf die Bemalung der Gesichter, die bei romanischen Plastiken nur äußerst selten in einem so guten Erhaltungszustand zu finden ist. Nordwestlich der Kirche, verbunden durch einen überdachten Weg, steht der erdgeschossige Flachbau des Pfarrhofs mit Pfarrbüro, Pfarrbücherei und der Mesnerwohnung. Nördlich des Kirchplatzes betritt der Besucher einige Stufen abwärts das Pfarrheim mit der Garderobe, dem Pfarrsaal mit 200 Sitzplätzen, dem kleinen Pfarrsaal, der Teeküche und einem weiteren Gruppenraum. Westlich des Pfarrheims schließt sich der der Kindergarten bis zur Grundstücksgrenze an. Er wird durch einen Fußweg von der Lottnerstraße zur Killermannstraße an der Nordseite des Grundstücks erschlossen Im Untergeschoss des Kindergartens liegen die Jugendräume und eine Kegelbahn. So sehr im Mittelpunkt unseres Pfarrzentrums die Kirche steht, sollten wir diese Baulichkeiten nicht nur als Nebenräume ansehen. Auch außerhalb des Gottesdienstes sollen sie es der Gemeinde ermöglichen, einander im Alltag wie in festlichen Feierstunden zu begegnen und Gemeinschaft praktisch erfahrbar zu machen. |
Die Marienkapelle birgt eine frühgotische katalonische Skulptur: Maria Königin mit einem erstaunlich „erwachsenen“ Jesuskind Das (ebenfalls spanische) Kruzifix der Werktagskirche stammt aus der Spätgotik. |
Das Innere (Detailbetrachtung): Die Kirche birgt viele, vielleicht auch bisher noch unentdeckte „Geheimnisse“, Symbole.
Kurz soll noch auf die stimmungsvolle Taufkapelle neben dem Südwest-Eingang der Kirche hingewiesen werden. In der Decke über dem eindrucksvollen Taufstein öffnet sich ein rundes Fenster in wundervoll farbiger Glasgestaltung: Man meint, man schaut in einen lebendigen Himmel. Zur Taufzeit umfasst oft das einfallende Sonnenlicht in geheimnisvollen Farbfacetten Taufstein und Täufling.
Ein Gotteshaus, aus der Tradition heraus auf ein neues Gottesdienstverständnis hin konsequent gestaltet in einander aufnehmenden Gestaltungselementen und rhythmisierenden Maßverhältnissen, welches zu Meditation und innerer Ruhe einlädt. Soweit
die Aufzeichnungen aus der Kirchenführung. Herzlichen Dank an Herrn Dr. Fuchs, der in sehr lebendiger und begeisternder Weise unsere Kirche vorgestellt hat. |
|
Zum Altarbild: aus dem 5. Kapitel der Offenbarung des Johannes (Apokalypse): Und ich sah auf der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß, eine
Buchrolle; sie war innen und außen beschrieben und mit sieben ...Da sagte einer von den Ältesten zu mir: Weine nicht! Gesiegt hat der
Löwe aus dem Stamm Juda, der Sproß aus der Wurzel Davids; er kann das Buch und seine sieben Siegel öffnen. Das Lamm trat heran und empfing das Buch aus der rechten Hand
dessen, der auf dem Thron saß. Und sie sangen ein neues Lied : Würdig bist du, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen...
nach oben: "Lamm Gottes" (linke Seite) "Siegel" (rechte Seite)
|
||
|
Exkurs zu Ursprung und Beheimatung dieser Form des Zentralbaus |
|
Zu
Beginn des 20 Jahrhunderts, als die Kirche noch bewusst zurückschauend,
restaurativ dachte, entstand Aufbruchsstimmung: Architektonischer
Dreh- und Angelpunkt dieser Liturgischen Bewegung war der Zentralbau
im Gegenzug zum herkömmlichen Axialbau, in dem sich das Volk Gottes nach
vorn orientiert, dem vorangehenden Priester folgend. Unsere Kirche – ein Zentralbau? Wie in den meisten Fällen konnte auch hier dieser Gedanke nicht konsequent durchgeführt werden. In dem rund angelegten, 16eckigen Vieleck gibt es auch die axiale Ausrichtung von der Orgel zum Altar: so wird an die Tradition im Kirchenbau angeknüpft: “Von hinten nach vorne“. [zurück nach oben] |